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Matthias Schwengler: Soulcrane & Strings (Review)

Artist:

Matthias Schwengler

Matthias Schwengler: Soulcrane & Strings
Album:

Soulcrane & Strings

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Kammer- und Modern-Jazz

Label: Mons Records
Spieldauer: 35:52
Erschienen: 09.09.2022
Website: [Link]

Er gilt als einer der vielseitigsten Trompeter aus Deutschland – der durchaus gerne auch in einem Atemzug mit einem TIL BRÖNNER genannt werden darf, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen – auch wenn er noch nicht als einer der ganz Großen entdeckt worden ist. Nun ja, wer allerdings, nach dem bereits sehr beeindruckenden 2017er-„Soulcrane“, das 2022er-Werk „Soulcrane & Strings“ zu hören bekommt, wird sich wahrscheinlich verwundert Ohren und Augen reiben und sich diesen Trompeter-Namen dauerhaft einprägen: MATTHIAS SCHWENGLER!

Schwengler und seine acht an diesem Album beteiligten Mitstreiter legen großen Wert auf die ruhigeren Töne – eine Atmosphäre zwischen Traum und Wirklichkeit (sowie Pandemie-Verzweiflung), aus der man nicht ausbrechen, sondern mehr auf den Schwingen und Wellen dieser vorrangig auf der Trompete basierenden Atmosphäre mitschwingen möchte. Ja, das hat etwas vom Swing, gar etwas von einem Armstrong oder der skandinavischen Aura eines N.P. Molvær, wobei Schwenglers Trompete unverwechselbar klingt – mal klar und mal mit einem Aufsatz gespielt. Ein beständiger Wechsel zwischen den klaren und gedämpften, mitunter verfremdet erscheinenden Sounds, zu denen ihn Streicher, Kontrabass, Gitarre und Saxophon begleiten, werden so zum Markenzeichen des jungen Trompeters.
Auch die Mitwirkung an dem ähnlich faszinierenden Album „State Of Mind“ von TOBIAS WEMBER & SUBWAY JAZZ ORCHESTRA hinterlässt deutliche Spuren auf „Soulcrane & Strings“.


Hier klingt vieles oft genauso geheimnisvoll und spannend wie der beschwörende Schwengler-Blick aus der Glaskugel heraus direkt vom LP-Cover, das sogar eine gewisse Horror-Optik verbreitet. Spannung pur, die sogar zum Album-Ende hin mit dem großartigen „Maex“ in Streicher-Kammer-Musik aufgeht und den dunklen Klang noch verstärkt, bis Gitarre und Trompete für lichte Momente sorgen. „Maex“ ist das traurigste und gleichermaßen bewegendste Stück des Albums, welches auf einer Komposition des Bassisten Askari beruht, der damit einen verstorbenen Freund ehrt.

Spätestens hier beweist sich, dass der bewusste Verzicht auf ein Schlagzeug nicht Verlust sondern atmosphärische Bereicherung bedeutet, da „Soulcrane & Strings“ besonders auf die klassischen Streichermomente setzt und nicht auf durchgängige Rhythmusstrukturen. Die Klänge wirken intimer, anrührender – Kammer-Jazz auf balladesker Ebene, der besonders die ruhigeren Emotionen bedient und voll und ganz auf's Gefühl setzt. Musik zum Augenschließen und Genießen. Nicht zum Mitwippen, selbst wenn durchaus der Swing als ein wichtiges Element sich immer mal wieder die Bahn bricht. Doch nicht zum Tanzen, sondern mehr für die Seele, die wie ein Lot mitpendelt.


Man spürt bei dieser Stimmung zugleich, dass „Soulcrane & Strings“ ein Album, geprägt von der Pandemie, geworden ist.
Schwengler selber gibt diesbezüglich Auskunft: „Während der Pandemie habe ich nach Inspiration in anderen Dingen gesucht. So entdeckte ich beispielsweise die kleine Stadt Bansko in Bulgarien, die meiner Freundin und mir als Rückzugsort diente. Wir verbrachten unsere Zeit damit, mit meinem Vater Bier zu brauen, in den Bergen zu wandern und uns an den Eichhörnchen zu erfreuen, die in unserem Garten nisteten.“

Und ohne Spinnerei: Wenn der deutsche Trompeter diese Hintergründe benennt, dann kann man tatsächlich für sich Parallelen in der Musik erkennen.


Schleicht da etwa ein Eichhörnchen unbeschwert trompetend durch „From West Coast To East Coast“?
Oder werden in „Prin's Pearls“ (übrigens ein unmittelbarer Bezug auf Bansko) vorsichtig die wunderschönen Anhöhen der bulgarischen Landschaft erklommen und vorsichtig Bergschluchten durchwandert?

„Mariya And Her Stout“ mit seinem Pizzicato-Intro auf dem Cello scheint uns die Schönheiten des Bierbrauens näherbringen zu wollen, bei dem nunmehr hinter einer eingängigen Melodie die Trompete in Kombination mit dem Saxophon wie das Hopfen und Malz für den Brauerei-Prozess klingen.

Verträumt und wie im Rausch nach dem Verkosten der Brauergebnisse strebt das Album ruhig und entspannt mit „Barley Wine“ seinem Ende entgegen – und hinterlässt tatsächlich einen von diesen Klängen berauschten Hörer.


FAZIT: Mit „Soulcrane & Strings“ präsentiert MATTHIAS SCHWENGLER – einer der spannendsten, weil vielseitigsten und abwechslungsreichsten Trompeter aus Deutschland – mit viel Gespür für Komposition und Klang dieses Kammer-Jazz-Album, bei dem (wie der Titel es bereits ankündigt) auch Streicher eine erhebliche Rolle spielen. Nahtlos verbindet Schwengler Jazz mit komplexen Stilrichtungen aus dem Balkan, aber auch unter dem bedrückenden Einfluss der Pandemie, sowie mit der Natürlichkeit bulgarischer Landschaften und dem Geheimnis des Bierbrauens. Bei diesem Album sind nicht etwa Hopfen und Malz verloren, sondern ergeben den ganz großen Klang für dieses vielfältige Musik-Gebräu mit dem vor Einfallsreichtum übersprudelnden Ausnahmetrompeter und seinen musikalischen Begleitern.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 61x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Seite A (17:34):
  • From West Coast To East Coast (5:36)
  • Pirin's Pearls (6:03)
  • Mariya And Her Stout (5:55)
  • Seite B (18:18):
  • Chania (6:18)
  • Maex (6:20)
  • Barley Wine (5:40)

Besetzung:

  • Sonstige - Matthias Schwengler (Trompete/Flügelhorn), Matthew Halpin (Saxophon), Reza Askari (Kontrabass), Philipp Brämswig (Gitarre), Pauline Buss, Radek Stawarz (Bratsche), Marie-Louise Wundling, Nathan Bontrager, David Schütte (Cello)

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